19. Dezember 2025
Warum KI ohne menschliche Kuration Marken entwertet.
Der visuelle Tsunami rollt. Durch die Demokratisierung von High-End-Generierungstools stehen wir vor einem Paradoxon: Während es technisch noch nie so einfach war, „perfekte“ Bilder zu erzeugen, war es strategisch noch nie so schwer, eine unverwechselbare Markenidentität aufzubauen. Wir erleben eine Inflation des Spektakulären. Wenn alles fantastisch aussieht, sieht am Ende nichts mehr fantastisch aus.
KI ist ein statistischer Durchschnitt. Algorithmen wie Midjourney oder DALL-E basieren auf dem Training mit Milliarden existierender Bilder. Das bedeutet: Sie sind meisterhaft darin, das zu reproduzieren, was bereits existiert oder was der Wahrscheinlichkeit nach „gut“ aussieht. Doch Branding ist das exakte Gegenteil von Wahrscheinlichkeit. Branding ist die bewusste Abweichung von der Norm. Eine Marke wie Jeweltime Swiss oder GoDoc24 braucht keine Bilder, die „so ähnlich wie alles andere im Markt“ aussehen, sondern eine visuelle Sprache, die eine spezifische Marktlücke besetzt.
Prompting ist kein Designprozess. Ein Prompt ist ein Wunschzettel, kein strategisches Fundament. In unserer täglichen Arbeit nutzen wir KI radikal als Effizienz-Turbo. Wir generieren 50 Moods in einer Stunde, um Richtungen auszuschließen – nicht um sie zu finalisieren. Die eigentliche Arbeit beginnt nach dem Prompt: Das Kuratieren, das Dekonstruieren und das manuelle Veredeln. Wir kombinieren die rohe Rechenpower der KI mit handwerklichem Grafikdesign und typografischer Präzision.
Der Faktor „Menschlicher Fehler“. Oft ist es ein bewusster Bruch, eine minimale Asymmetrie oder eine unkonventionelle Farbwahl, die eine Brand menschlich und nahbar macht. KI neigt dazu, diese „Fehler“ wegzubügeln. Wir hingegen suchen sie. In unseren Insights zeigen wir: Wer die KI das Steuer überlassen will, spart kurzfristig Kosten, verliert aber langfristig das wertvollste Asset – die kulturelle Relevanz. Wir nutzen Tech, um den Kopf frei zu bekommen für die wirklich harten strategischen Nüsse. Denn am Ende des Tages kaufen Menschen keine Pixel, sie kaufen Vertrauen und Identität. Und das lässt sich (noch) nicht prompte.


